Möhnesee feiert: 100 Jahre Sperrmauer

Energielieferant und Wasserspeicher oder Naherholungsregion und Naturschutzgebiet – der Möhnesee hat viele Funktionen. Seine kultur-historische Bedeutung spiegelt sich in vielen Geschichtsbüchern wider. Die Möhnestaumauer, das schwerste Baudenkmal Westfalens, feiert in diesem Jahr ihr 100jähriges Bestehen.

Gefeiert wird unter anderem mit einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe im Sommer. Auftakt und Höhepunkt sind die Lichtkunstwochen "Jahrhundertleuchten" im April und Mai.

Die Möhnestaumauer beeindruckt, sie bewegt und beflügelt die Fantasie. Wander- und Radwege führen über sie hinweg. Frisch verheiratete Paare feiern ihre Hochzeit am Möhnesee und lassen sich an der riesigen Bruchsteinmauer fotografieren. Schon vor hundert Jahren erkannten die Bauherren, welch "lieblichen Waldsee" sie geschaffen hatten – so ist es überliefert.

Möhnesee feiert: 100 Jahre Sperrmauer (Foto: Möhnesee Touristik) Möhnesee feiert: 100 Jahre Sperrmauer (Foto: Möhnesee Touristik) Möhnesee feiert: 100 Jahre Sperrmauer (Foto: Möhnesee Touristik)

Schnell erkannten auch die Menschen im Ruhrgebiet die Reize des neu geschaffenen Sees, der Tourismus setzte ein und lies nach und nach Herbergen, Gaststätten und Freizeitangebote rund um das geschützte Kulturdenkmal entstehen. Die Naturschutzgebiete Hevearm und Hevesee sind nicht nur ein wunderbares Terrain für Wander- und Radtouren. In Westfalens größtem Rastgebiet und Winterungsquartier für Wasservögel sammeln Wissenschaftler umfangreiches Datenmaterial als Grundlage für wichtige Studien.

Innovativ bei der Entstehung der Staumauer vor hundert Jahren und heute nicht minder aktuell sind die zwei Kraftwerke, die von Anfang an in die Staumauer integriert waren. Sie liefern auch heute noch umweltfreundlich erzeugten, klimaneutralen Strom.

Möglich machte diese Entwicklung der steigende Wasserbedarf einer Ruhrgebiets-Industrie, die vor hundert Jahren ihre Blütezeit erlebte. Ab der Jahrhundertwende wurde der Ruf nach weiteren und größeren Wasserreservoires im Sauerland immer lauter. Musste doch in trockenen Sommern so mancher metallverarbeitende Betrieb seine Produktion stark zurückfahren. Und so begann der Ruhrtalsperrenverein mit dem Bau der damals größten Talsperre im Sauerland.

Zwölf Quadratkilometer Grunderwerb waren notwendig, 700 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, fünf komplette Dörfer aufgelöst werden, bevor 1908 die Arbeiten beginnen konnten. Vier Jahre dauerte es, bis der 650 Meter langen und in der Sohle 34 Meter breite Damm im Oktober 2012 zu seiner Höhe von 40 Meter empor gewachsen war – für damalige Verhältnisse eine Rekordzeit! Ein weiteres Jahr dauerte es, bis die Flüsschen Möhne und Heve das riesige Tal mit Wasser gefüllt hatten und die Talsperre bei einer feierlichen Eröffnung ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Ein schwarzes Kapitel in der Geschichte der Möhnestaumauer war die Zerstörung in der Nacht zum 17. Mai 1943 durch eine eigens zu diesem Zweck entwickelte "Rollbombe". Die alliierten Kräfte wollten während des Zweiten Weltkriegs die im Ruhrgebiet beheimatete Rüstungsindustrie an ihrer empfindlichsten Stelle treffen. Englischen Angreifern gelang es, ein 70 Meter breites und 20 Meter hohes Loch in die Mauer zu reißen. Mehr als 1500 Menschen fanden in den Fluten den Tod. Mit aller Kraft wurde der Wiederaufbau vorangetrieben. Bis nach nur fünf Monaten die Staumauer wieder in ihrer vollen Größe stand.

Reise in die Vergangenheit - Sperrmauer als gigantische Leinwand

Lichter, Bilder und Musik lassen vom 13. April bis 12. Mai die bewegte Geschichte des Möhnesees wieder aufleben. Beim Lichtkunst-Event "Jahrhundertleuchten" dient die Staumauer als riesige Projektionsfläche. Leuchtende Farben, Figuren, Videoproduktionen und massive Lichtkegel lassen das Monument erstrahlen. Der kunstvolle Wechsel von Farben, Formen und Licht, umgeben von Dunkelheit, regt die Fantasie an und lässt die Grenzen zur Realität verschwimmen, während das Wasser eine glitzernde Reflexionsfläche bildet. Eine Flaniermeile mit Lichtkunstobjekten lädt ein zu einem märchenhaften abendlichen Spaziergang. Tickets für die zweistündige Show der Künstler Britta und Wolfgang Flammersfeld sind ab 9,60 Euro unter www.hellwegticket.de erhältlich.

Drüggelter Kunst-Stückchen im Zeichen der Staumauer

Die Drüggelter Kunst-Stückchen sind das wohl kleinste Festival Westfalens und ein Leckerbissen für Musik- und Kunstliebhaber. Musiker stimmen ihre Instrumente hinter der Scheune, hängen ihren Frack am Holzbalken auf. Gäste haben unmittelbaren Kontakt zu den Künstlern. Das ist die besondere Atmosphäre der Drüggelter Kunst-Stückchen. Ein Genuss für Augen, Ohren und Seele. Das inzwischen 24. Festival vom 18. bis 20. Mai greift in seiner Programmgestaltung immer wieder das 100jährige Jubiläum auf.

Dreiteilige Festreihe mit Kunst, Kultur und Unterhaltung

Ein dreiteiliger, bunter Unterhaltungs-Marathon beginnt am Wochenende, 21. bis 23. Juni, rund um die Staumauer in Günne. Ein historischer Markt lädt zur Zeitreise ein. Viele alte Schätzchen finden Besucher auf dem "Jahrhunderttrödelmarkt". In einer Ausstellung zeigen Künstler das Baudenkmal aus ihrer Sicht. Geschichte erwandern – das geht auf dem historischen Pfad. Bei der Carving-Meisterschaft lassen Kunstkettensäger die Späne fliegen – und wer selbst aktiv werden möchte, nimmt an der E-Bike-Sternfahrt teil. Auf drei Bühnen gibt es Live-Musik, Schauspiel und Tanz. Darunter ein Musical rund um die hundertjährige Geschichte des Möhnesees.

Mit dem "Dinner en blanc" – weiß gekleidete Gäste an weiß gedeckten Tafeln – beginnt die Festwoche vom 24. bis 27. Juni. Rund um den See warten dann lauter Köstlichkeiten auf Feinschmecker. Open-Air-Kino auf einer Riesenleinwand und der Jahrhundertlauf durch die idyllische Seelandschaft sind weitere Highlights der Festwoche.

Die Geburtstags-"Party" mündet vom 28. bis 30. Juni in ein glanzvolles Wochenende im Körbecker Freizeit- und Seepark. Hundert Tische ergeben eine Schlemmermeile direkt am See. Elegante Segelschiffe formieren sich zur Jubiläums-Regatta – aber auch Pappboote und sogar Badewannen trotzen den Wellen. Historische Zweiräder und chromblitzende Oldtimer ziehen bewundernde Blicke auf sich. Beim Dogging-Day läuft Herrchen mit Hund. Schlagerstars und Tributebands sorgen für Stimmung. Und bei "Möhnesee in Flammen" bietet sich dem staunenden Publikum ein fantastisches Wasser-, Licht-, und Feuerspektakel.

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